Wenn ich früher im Callovium Fossilien sammelte, reichte das Interesse nur bis zu den Lamberti-Knollen – also den obersten Schichten des Braunjura. Danach war für mich Schluss, alles darüber bildete eine Art Terra incognita und wurde entsprechend vernachlässigt. Blöcke und Gestein aus dem angrenzenden Weißjura fielen meist achtlos den Hang hinunter.
Das hat sich inzwischen geändert. Mit neu eingebrachten Weißjura-Fossilien auf dieser Webseite rückt dieser stratigraphische Bereich zunehmend in den Fokus. Was liegt da näher, als die alten Fundstellen im Ober-Callovium neu aufzusuchen und die darüber liegenden Abschnitte genauer unter die Lupe zu nehmen: den Glaukonitsandmergel.
Gerd Dietl schreibt zu diesem Grenzbereich des Callovium/Oxfordium: „Die Wutach-Formation endet im Wutachgebiet mit dem Einsetzen von glaukonitführenden Tonmergeln, dem Glaukonitsandmergel. Der Glaukonitsandmergel ist (…) im Wutachgebiet nur sehr geringmächtig, bildet aber im Bereich des Schwäbischen Juras mit einer Höchstmächtigkeit von 12 Metern eine eigene Subformation (= oberster Bereich im Callovium).“
Das bedeutet: In der aktuellen lithostratigraphischen Gliederung des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) wird der Glaukonitsandmergel zum Ober-Callovium gezählt und damit zum Braunjura. Zeitlich gehören diese Schichten allerdings bereits zum Oxfordium im Weißjura. Was kein Widerspruch ist, denn lithostratigraphische Einheiten werden anhand ihrer Gesteinseigenschaften definiert, chronostratigraphische Einheiten anhand ihres geologischen Alters.
Schichtenfolge:
Die Mariae-Zone bildet den untersten Bereich des Glaukonitsandmergels. Diese Zone fehlt allerdings in weiten Teilen Baden-Württembergs und ist im Wutachgebiet nur an einigen Stellen in lokalen Linsen vorhanden.
Diese Schichtlücke berücksichtigend, reicht die Wutach-Formation also bis zu den Lamberti-Knollen, darüber beginnt in der Regel die Cordatum-Zone. Die untersten Schichten der Cordatum-Zone bilden schieferige, graue Tonmergel und dort befinden sich auch verschiedene Arten von Cardioceraten. Die Cordatum-Zone unterscheidet sich hinsichtlich der Fossilerhaltung deutlich von manchen eisenoolithischen Schichten im Callovium. Eine Studie von Zeiss (1957) belegt stark fragmentierte und zusammengedrückte Ammoniten:
- verdrückte oder fragmentierte Ammoniten
- Steinkerne und Abdrücke in mergeliger Matrix.
- Fossilreste mit sekundären Eisenverbindungen.
Dies entspricht meinen bisherigen Funden (siehe Fotos). Bestimmungen sind bei solchen Erhaltungszuständen nicht einfach. Dieser Blog ist daher eine Momentaufnahme: Die abgebildeten Funde sind erste Stücke einer andauernden Suche im Glaukonitsandmergel. Sobald besser erhaltene Ammoniten verfügbar sind, folgen Abbildungen in diesem Blog …
Text/Fotos: Stephan Hack
Zeiss, A. (1955): Zur Stratigraphie des Callovien und Unter-Oxfordien bei Blumberg (Südbaden). In: Jahreshefte des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg, Band 1, S. 239–266, 2 Tafeln.
Zeiss, A. (1957): Die ersten Cardioceraten-Faunen aus dem oberen Unter-Oxfordien Süddeutschlands und einige Bemerkungen zur Dogger/Malm-Grenze. In: Geologisches Jahrbuch, Band 73, S. 183–204.
Dietl, G. (2010): Die Wutach-Formation (clw) des südwestdeutschen Juras – Beschreibung und Gliederung. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg
