
Geflüster ist in den Räumen des Auberlehauses zu hören. „Sooo groß ist der Kopf von einem T-Rex“, sagt ein Junge staunend zu seinem Vater, die originalgetreue Nachbildung des Kopfes dieses Raubsauriers bewundernd. Und ein anderes Kind fragt einen Museums-Mitarbeiter: „Wurden die ganzen Ammoniten und der Plateosaurier hier gefunden?“

Der Mann bejaht, schließlich ist Trossingen die größte Fundstelle von Dinosauriern aus dem Trias – weltweit! 1909 fanden Schulkinder beim Spielen zufällig eine riesige Saurierfundstelle in der Nähe der Oberen Mühle. Ein Schüler hatte sich beim Rutschen am Hang die Hose an Saurierknochen aufgerissen, die aus der Erde geragt hatten.
Laut dem Museums-Mitarbeiter könnte es sich bei dem Fundort um eine sumpfige Wasserstelle gehandelt haben, in die wohl zahlreiche Saurier hineinfielen und verendeten.
Einen würdigen Rahmen bildet das historische Bauernhaus am Trossinger Marktplatz allemal. Bereits von außen weist ein überlebensgroßer Blech-Dinosaurier den Weg zum Auberlehaus und unvermeidbar war wohl auch ein riesiger Arietites an der Außenfassade. Auch dieser Ammonit stammt aus heimischen Gefilden: Trossingen liegt zu weiten Teilen auf dem Arietenkalk des Lias, dessen Bänke bei Bauarbeiten oftmals bereits wenige Meter unterhalb der Oberfläche aufgebrochen werden.
Während die Stadt der Besitzer des Gebäudes ist, betreibt der Arbeits- und Förderkreis Trossinger Heimatmuseum die Ausstellung. Genaugenommen sind im Auberlehaus drei Museen untergebracht: Neben der paläontologischen Sammlung finden sich auch Exponate zur Natur- und Heimatkunde. 1979 hielt das erste Skelett eines Trossinger Plateosauriers Einzug und bis heute wurden 55 dieser Echsen ausgegraben. Das Skelett eines Trossinger Plateosaurus engelhardti schaffte es sogar in das American Museum of Natural History in New York. Wegen seiner Häufigkeit in Süddeutschland verlieh der Paläontologe Friedrich August Quenstedt diesem zweibeinigen Pflanzenfresser den Spitznamen „schwäbischer Lindwurm“.



Was die Vorstellungskraft zusätzlich beflügelt, sind die aufwändig gestalteten urzeitlichen Lebensräume im Museum: So und ähnlich kann es in Trossingen am Fuße der Alb vor Millionen von Jahren ausgesehen haben. Versteinerte Riffe, Ur-Lurche, Schildkröten, Krokodile und Schwimmsaurier runden das Szenario ab.
Ammoniten aus dem Braunjura finden sich allerdings nur wenige, sie verlieren sich in dem paläontologischen Rundgang im Erdgeschoss. Den Ammoniten aus dem Lias geht es da nur wenig besser, auch hier ist die Stückzahl stark begrenzt. Natürlich dürfen einige riesige Arieten auch in der Ausstellung nicht fehlen; eine Sonderausstellung über Ammoniten ist aber in Arbeit und soll erst in den kommenden Monaten gezeigt werden.
Museum Auberlehaus in 78647 Trossingen, Marktplatz 6, Öffnungszeiten sonntags von 13.30 bis 17 Uhr.
Text/Fotos (5): Stephan Hack
